Gitarre einstellen: Tipps und Tricks für Saitenlage und Intonation
Wie stelle ich die optimale Saitenlage meiner Gitarre ein?
Gitarre einstellen, neue Saiten drauf und die Intonation einstellen. Alles Tasks, die du dir direkt nach dem Gitarrenkauf vornehmen solltest. Warum? Damit sich die neue Gitarre richtig geil spielt und du den besten Sound aus ihr rausholen kannst.
In den folgenden Abschnitten erfährst du alles darüber, wie du deinem Instrument ein optimales Setup inklusive neuer Saiten, Sattelcheck, Halsstab-Einstellung und angenehmer Saitenlage verpasst.
Grundlage für ein ideales Gitarren-Setup: frische Saiten
Frische Saiten sind enorm wichtig, wenn du deine Gitarre einstellen willst. Hing die Gitarre lang im Laden oder lag einige Zeit im Koffer unter dem Bett, so sind die Strings definitiv hinüber. Denn das Material oxidiert und verliert durch die permanente Spannung an Dynamik. Wie viele andere Gitarristen wist du wahrscheinlich deine ganz spezielle Lieblingsmarke haben, die du bisher auf jeder Gitarre verwendest und deren Sound du auch am besten kennst. Also einfach neue Saiten drauf – und du wirst dich wundern, wie brillant der Sound wird.
Ein kleiner Tipp an dieser Stelle: Probier was Neues! Man fährt sich gern mal auf Standard-Saiten ein. Aber es lohnt sich definitiv, Saiten nicht nur nach dem Preis, sondern auch nach dem Material auszusuchen. Auch mit der Dicke der Saiten sollte man mal was ausprobieren. Die standardmäßigen .009 auf .046er sind nicht immer die beste Wahl. Gerade bei „Les Paul“-Modellen sind .010er oder sogar .011er für einen fetteren Sound zu empfehlen.
Gitarrensaiten Unboxing
Nimmst du deine neuen Saiten aus der Packung, so stellst du fest, dass diese ein ganzes Stück länger sind als die übliche „lange“ Strat-Mensur mit 25,5“. Bei Gitarren mit einem Bigsby-Vibrato, wie beispielsweise der Gibson Chris Cornell ES-335 Signature, wird diese Saitenlänge jedoch unbedingt benötigt.
Hersteller wie D’Addario, Rotosound und Gibson verschweißen alle 6 Saiten in einen biologisch abbaubaren und luftdichten Kunststoffbeutel. So sind die Saiten beim Auspacken so frisch wie möglich und haben auch nach längerer Lagerung keinen Rost oder Belag angesetzt. D’Addario färbt die Ball-Ends der Gitarrensaiten ein, um dir die Unterscheidung zu erleichtern. Auf der Verpackung findest du eine Legende, auf der beschrieben wird, welche Saite du gerade in Händen hältst. Saitenhersteller wie Ernie Ball hingegen gönnen jeder Saite ein kleines Kuvert aus umweltfreundlichem Papier, auf dem die Saitenstärke zu lesen ist. Beides hat so seine Vorteile. Gerade wenn du im Proberaum stehst und eine Saite reißt, wirst du dich eher über einzeln verpackte Saiten freuen.
Saiten richtig aufziehen
Damit sich deine Gitarre präzise stimmen lässt und auch nach Bendings und hartem Strumming noch immer optimal „in tune“ ist, ist es von zentraler Bedeutung, wie viele Windungen du auf die Mechanik nimmst.
Hast du die Saite nur einmal um die Mechanik geführt, so wird die Saite beim Hochstimmen immer wieder Durchrutschen und nach gezogenen Tönen permanent nachgestimmt werden müssen. Gerade bei „plain strings“, also den unumwickelten Treble-Saiten (sg. Diskantsaiten), ist das sehr drastisch.
Ähnliches Problem äußert sich, wenn du die Saite zu oft um die Wickelachse der Mechanik führst. Das Ergebnis ist ein Draht-Paket, welches sich beim Ziehen der Saiten oder beim Hochstimmen etwas mehr zusammenzieht, beim Herunterstimmen hingegen leicht lockert. Auch nach längerem Spielen und häufigem Nachstimmen wirst du dieser Problematik nicht Herr.
Saiten aufziehen – So wird’s gemacht
Beginnend mit der tiefen E-Saite gehst du folgendermaßen vor:
Zunächst die Saite im Saitenhalter oder Tremolo korrekt einhängen und über den Sattel durch die Mechanik führen.
Dann die Saite durch die Bohrung in der Mechanik führen und strammziehen.
Anschließend die Saite etwa 3-4cm über der entsprechenden Mechanik abknicken. Als weiterer Tipp: Bei Les-Paul-Modellen etwa auf Höhe der A-, bei Strat-Modellen zwischen der A und D-Mechanik.
Nun die Saite bis zum Knick zurückziehen und unter leichter Spannung mit der Mechanik anziehen
Saite stimmen
Dehne die Saiten etwas, damit sie die Stimmung besser halten. Greife dazu mit deinen Fingerspitzen unter die einzelnen Saiten und ziehe sie vom Griffbrett weg ein paarmal nach oben. Stimme dann nach und dehne sie nochmals. Dann ein letztes Mal stimmen.
Entferne die überstehenden Saitenenden an der Mechanik mit einem Saitenschneider.
Gitarre stimmen
Achte vor dem Stimmen darauf, dass die Saiten optimal in den Reitern an der Bridge liegen. Bei sehr dicken Saiten ab etwa .060 empfiehlt es sich, die Saiten mit dem Daumen etwas in die finale Position zu drücken. Die Saiten sind meist etwas zäher als solche mit geringerer Stärke und benötigen z.B. bei einer Les-Paul-typischen 2-teiligen Brücke oder einem „Floyd Rose“-Style-Tremolo eine kleine Sonderbehandlung.
Hier ist ein ordentliches Stimmgerät Pflicht! Etwa das Boss TU-3 Pedal oder der TC Polytune. Wer es richtig krass treiben will, besorgt sich einen Strobo-Tuner wie den Peterson Autostrobe 490-ST oder die digitale Rackversion, den Peterson StroboRack Virtual Strobe Rack.
Peterson StroboRack Virtual Strobe Rack Tuner Stimmgerät – Foto thomann.de (Affiliate Link)
Sattel richtig bearbeiten
Ein schlecht angepasster Sattel ist ein häufiger Grund für Tuning-Probleme. Das Zauberwort heißt hier Sattelkerbenbreite. Gerade beim Wechsel auf dickere Strings musst du unbedingt die Kerben im Sattel mit einer Feile etwas verbreitern. Saiten, die in einer zu engen Kerbe verlaufen oder gar in einer Kerbe mit breiter Öffnung und schmalem Fuß, neigen dazu sich immer wieder festzuklemmen, um dann beim Spiel sprungartig zu wandern. Du erkennst das an einem typischen Geräusch, wenn eine Saite beim Stimmen plötzlich springt.
Hier ist jedoch Vorsicht geboten. Feilst du den Sattel im Eifer des Gefechts zu tief aus, verlaufen die Saiten zu nah am Griffbrett und liegen auf dem ersten Bund auf. Hier hilft nur ein neuer Sattel. Oder ein Gemisch aus Sekundenkleber und feinem Plastik- oder Knochenmehl, das vorher beim Feilen des Sattels entstanden ist. Solltest du keine Erfahrung oder passendes Werkzeug haben, wende dich am besten an den Gitarrenshop deines Vertrauens.
Für alle, die selbst Hand anlegen wollen, hat Ibanez verschiedene Feilen-Sets im Angebot. Sicher, nicht ganz günstig, aber sehr umfangreich und optimal aufeinander abgestimmt.
Halsstab-Justierung bei Gitarre und Bass
Bis auf sehr wenige Ausnahmen besitzt jede E-Gitarre einen verstellbaren Halsstab. Bei Gibson- und Ibanez-Gitarren ist der Zugang zum Halsstab meist an der Kopfplatte. Du findest ihn unter einer kleinen Kunststoffabdeckung, dem „Trussrod Cover“. Hersteller wie MusicMan bieten die Halsstab-Einstellung bequem am anderen Ende des Griffbretts, nach dem letzen Bund, an. Man spricht hier von einem 2-Wege-Halsstab, der also etwas mehr gegen die Saitenspannung angezogen oder eben etwas weniger fest der Spannung entgegenwirken kann.
Gerade, wenn man mit seiner Gitarre viel fliegt und in unterschiedlichen Klimazonen agiert, muss regelmäßig über den Trussrod nachjustiert werden. Zieht man den Halsstab an, so wird die Kraft „gegen“ die Saiten größer, die Bogenform nach hinten wird etwas mehr ausgeprägt und die Saitenlage verringert sich. Löst man die Spannschraube, so dominiert der Zug der Saiten. Die Halsspannung nach hinten nimmt ab und die Saitenlage hingegen zu.
Gehe immer sehr vorsichtig in 1/8- bzw. 1/16-Umdrehungen vor. Achte unbedingt darauf, den passenden Schlüssel zu verwenden. Ist die Schraube oder der Inbus erstmal „ausgenudelt“, ist eine sehr teure Reparatur von Nöten, die oft den Wert des Instruments überschreitet. Hierzu muss das Griffbrett entfernt und wieder aufgeleimt werden. In den meisten Fällen folgt dann auch eine Neulackierung des Halses.
Gitarre einstellen: Bridge einstellen
Hast du den Hals deiner Gitarre wie oben beschrieben eingestellt, geht es jetzt an das Setup der Bridge. Auf Deutsch auch „Steg“ genannt. Du wirst schnell feststellen, dass hier jeder Hersteller sein eigenes Süppchen kocht. Doch alles der Reihe nach. Der Saitenreiter einer Les-Paul-Style-Brücke lässt sich nur im Ganzen nach oben und unten verschieben. Die unterschiedlichen Höhen der einzelnen Böckchen empfinden den Griffbrettradius nach. Möchtest du den Saitenreiter in der Höhe verändern, so gelingt dies ohne Werkzeug.
Die Gitarre richtig einstellen – Foto by LOUDER.com Tina Geiger
Bei Vintage-Vibratos und den meisten festen Brücken, beispielsweise auf Fender Gitarren, erfolgt die Höhenverstellung durch kleine Inbusschrauben an den Reitern der einzelnen Saite. Du wirst feststellen, dass die Reiter in unterschiedlicher Höhe platziert sind. Das ist zwingend notwendig um dem Griffbrettradius zu folgen. Willst du also die Saitenlage an der Brücke verändern, so musst du das für jede Saite einzeln vornehmen. Gehe Schritt für Schritt vor und stelle sicher, dass du dabei immer diese Form der Wölbung beibehältst.
Intonation einstellen
Hast du sowohl Halsstab und Bridge von der Höhe her eingestellt, beginne mit dem Finetuning der Intonation. Der Abstand der beiden Auflagepunkte der Saite auf der Gitarre sind die Ausgangspunkte. Schließe deine E-Gitarre an ein Stimmgerät an und schlage die erste Saite an. Stimme die Saite so genau wie möglich. Nun drücke sie im 12. Bund möglichst nah am vorderen Bundstab aufs Griffbrett. Dein Stimmgerät zeigt nun den gleichen Ton, allerdings eine Oktave höher. Ist die Abweichung zu groß, musst du den entsprechenden Saitenreiter an der Bridge einstellen. Bei Abweichung nach oben muss der Reiter weiter nach hinten, bei Abweichung nach unten muss der Saitenreiter mehr nach vorne geholt werden.
Gibt es die optimale Saitenlage für Gitarren?
Nein, die gibt es tatsächlich nicht. Denn wie „gut“ oder „schlecht“ die Saitenlage dem Spieler liegt, ist eine rein objektive Sache. Abhängig von Instrument, Saitenstärke und Spielweise wirst du schnell feststellen, dass du dich bei unterschiedlichen Saitenhöhen gleichermaßen wohlfühlen kannst.
Halswinkel und Halskrümmung prüfen – Foto by LOUDER.com Tina Geiger
Richtet man den Blick parallel zu den Saiten entlang des Halses, also lugt man mit einem Auge zugekniffen über den Sattel in Richtung Bridge, so erkennt das geschulte Auge einen mehr oder weniger ausgeprägten Bogen. Ein gewisses „Durchhängen“. Um festzustellen wie hoch die „string-action“ deiner Gitarre tatsächlich ist, drückst du den ersten und letzten Bund der Saite ab. So fungieren die Saiten quasi als Lineal. Jetzt solltest Du im den 7. oder 8. Bund etwas Luft zwischen Bund und Saite feststellen. Gerade so viel um ein beim antippen leichtes bis sehr leichtes „klacken“ erzeugen zu können. Je mehr du also den Halsstab anziehst, desto geringer wird der Abstand der Saiten.
Tipp zum Einstellen von „Floyd Rose“-Tremolos
Bei Gitarren mit einem „Floyd Rose“-Tremolo müssen die Saiten etwas höher eingestellt werden. Beim Zug am Tremolo-Hebel bewegen sich die Saiten konstruktionsbedingt in Richtung Griffbrett und neigen dazu, bei zu flacher Saitenlage aufzuliegen. Hier hilft leider nur ein Kompromiss. Auch bei Gitarren mit einem sehr kleinen Griffbrettradius, also einem sehr runden Griffbrett, empfiehlt sich eine etwas höhere Saitenlage. Durch die ausgeprägte Krümmung im Fretboard liegen gezogene Saiten sonst schnell auf. Hier sollten 3 Halbtöne schon drin sein.
Fazit zum Gitarre einstellen
Mit ordentlichen Saiten und einer gut eingestellten Gitarre wirst du nicht nur mehr Spaß am Gitarrespielen haben, sondern auch einfach einen geileren Sound bekommen.
Das Thema könnten wir auch auf das Abrichten der Bundstäbe ausweiten, aber diese Arbeit ist eher etwas für den Gitarrenbauer oder den Gitarrenladen in deiner Stadt. Wenn du deine Gitarre einstellen lassen willst, gib sie im Zweifel lieber jemandem, der sich damit auskennt und der schon öfter die Einstellarbeiten an einer Gitarre gemacht hat.
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